Bunker

 

Der gemeinsame Gefechtsstand des FuTB-61 und des JG-8

 

Typ : Gefechtsstand
Bunkertyp : Monolith
Etagen : 2
Zustand : mäßig
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Bei Müncheberg befand sich der gemeinsame Gefechtsstand des Funktechnischen Bataillon 61 und des Jagdgeschwader 8 der NVA LSK/LV, der gGS 8/61. Errichtet wurde hier ein zweietagiges, monolithisches Schutzbauwerk höherer Schutzklasse, was eine erste Besonderheit dieses Gefechtsstandes ist, die anderen gGS FuTB/JG der NVA verfügten nur über einfache Schutzbauwerke in Form von ausgebauten Bogendeckungen (FB-360) mit der Schutzklasse F. Der Bunker in Müncheberg stellt gleichzeitig ein vom Projektierungsbüro Süd entworfenes Wiederverwendungprojekt für Gefechtsstände der später formierten Fla-Raketenbrigaden und als erstgebautes Bauwerk auch den Prototyp zu eben diesen dar. Der Grundwert des Zentralen Schutzbauwerks belief sich auf rund 28 Millionen Mark der DDR. Gebaut wurde 3 Jahre lang von 1978 - 1981. Das Schutzbauwerk befindet sich direkt am Objekt der FuTK 611 und ist auch von deren HSA eingefasst.

Einige Parameter des Schutzbauwerkes:

- Investitionsvorhaben 17/239
- Schutzklasse D (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 250 Kg, Druckfestigkeit 3 Kp/cm2, ABC Schutz)
- Abmaße Zentralbauwerk: 35,4 m x 29,4 m x 12,6 m (L,B,H)
- Stärke Bodenplatte: 1,2 m
- Stärke Aussen- und tragende Wände: 60 cm / 75 cm
- Stärke Schutzkern- und Zwischendecke: 45 cm
- Grundfläche etwa 1500 m2
- Zerschellschicht(ZS), 5,7 m überkragend mit Zwischengeschoss über den aussenliegenden Räumen, 3,45 m - 3,75 m
  Stärke (inklusive Schutzkerndecke)
- Klimablock KB 13, 36700 m3/h, Frischluftanteil in BW I und BW II 4000 m3/h
- Netzersatzanlage, 2 Stück Dieselmotore 6VD 18/15 AL-1 SRW, 800 KVA Gesamtscheinleistung
- 4 Brandabschnitte ( 2 je Etage)
- Garagenanbau (Schutzklasse E)
- Besatzungszahl: 100 Personen
- Hermetisierung (BW III): maximal 6 Stunden

 

Schnittdarstellung des Kernbauwerks:

 

Kern des Schutzbauwerks ist der zentrale, sich über 2 Etagen erstreckende Lagesaal mit den Abmaßen 13,5 m x 8,40 m x 8,25 m (L,B,H). In diesem befand sich auch ein Planchette zur Lagedarstellung des Luftraumes. Der geständerte Fussboden im Lagesaal war belüftet. Vermutlich aus statischen Gründen (es befinden sich keine Stützpfeiler im Saal) existiert über dem Saal kein Zwischengeschoss zwischen Schutzkerndecke und Zerschellschicht. Um den Saal herum liegen auf 2 Etagen Flure, so das der zentrale Raum auf beiden Ebenen rundherum begangen werden kann. An diesem Flur schließen sich alle anderen Räumlichkeiten an, die beiden Geschosse sind mit 2 Treppenhäusern, welche sich gegenüberliegen, verbunden. Das Bauwerk verfügt über 2 Zugänge, beide im Obergeschoss gelegen. Der Hauptzugang, erreichbar über einen Zugangstunnel, besitzt eine Schleuse mit einer maximalen Personenkapazität von 10 Personen pro Stunde (Schleusenklasse D), der zweite Einstieg diente als Gefechtszugang und ist über den Garagenanbau erreichbar. Weiter befinden sich im Obergeschoss: Frischluftanlage mit Filtern, die Druckluftanlage, Klimablock, Arbeitsräume, Ruheräume, jeweils ein Sanitärbereich für beide Geschlechter, der Med-Punkt, eine Küche mit angrenzendem Lagerraum und Kühlkammer, der Speiseraum und ein Notausstieg. Ein Montageschacht ist ebenfalls direkt neben dem Hauptzugang vorhanden.

Im Untergeschoss findet man dann hauptsächlich weitere technischen Anlagen vor, zentral gesteuert vom Dispatcherraum, in welchem sich auch die NSHV befand. Der Bunker verfügte, im Gegenteil zu dem Nachfolgebauwerk bei Ladeburg, statt 3, nur über 2 Netzersatzanlagen. Der Kraftstoffvorrat bezifferte sich auf 36000 l Dieselkraftstoff, verteilt auf 4 Tanks. Weiter findet man im Untergeschoss ein Wasserwerk mit Vorratstanks. Fernmelde- und Fernschreibräume sind ebenfalls vorzufinden, genauso wie eine USV Anlage.

Zum heutigen Zustand:

Nach der Aufgabe des Bauwerkes durch die Bundeswehr Anfang der neunziger Jahre wurde das gesamte Gelände einschließlich dem Schutzbauwerk an privat verkauft. Bis 2004 fanden im Bunker öffentliche Diskoveranstaltungen statt, bevor das Bauwerk von Amtswegen her versiegelt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren problemlos Begehungen möglich. Durch die Nachnutzung wurde das Bauwerk teilweise umgestaltet, der Lageraum ist als solcher beispielsweise kaum mehr zu erkennen. Interessierten sei deshalb das Schwesterbauwerk bei Ladeburg empfohlen, dort kann für einen wirklich kleinen Preis eine Führung durch ein wesentlich besser erhaltenes, beziehungsweise wieder hergestelltes, gleichartiges Bauwwerk, geboten werden.

 

Quelle:

- Bergner, Paul: Programm Delphin
- Projektierungsbüro Süd Dresden: Ausführungspläne Vorhaben 17/239 "Gerätebauwerk"

 

 

Bildergalerie: Gemeinsamer Gefechtsstand FuTB-61/JG-8 (GS-61) Untergeschoss

 

Bildergalerie: Gemeinsamer Gefechtsstand FuTB-61/JG-8 (GS-61) Obergeschoss

 

 

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